Marc Roy

Presse

Jörg Riser (Klettgauer Zeitung vom 21. Januar 2014)

In der Schaffhauser Galerie Mera sind bis zum 8. März neben Werken des Winterthurers Ron Temperli zahlreiche Bilder des Hallauers Marc Roy zu sehen. In diesen Exponaten erweist er sich als virtuoser Schöpfer von Mal- und Seelenlandschaften – und als Meister vereinender Gegensätze.

Im Begleittext der Einladung zur Vernissage wird darauf verwiesen, dass Marc Roy aus im Bündnerland gewonnenen Kindheitserinnerungen schöpft und seine Arbeiten «den Schnitten durch Bergmassive gleichen». Von kontrastreichen Arbeiten wird überdies berichtet, bei denen schwierig zu entscheiden sei, wo die hellen Seiten endeten und das Dunkle beginne. Und an der Vernissage selbst am vergangenen Freitag in der gut besuchten Schaffhauser Galerie Mera verwies Galerist Tomas Rabara auf «Blicke ins menschliche Innenleben», auch und gerade auf die dunklen Seiten, die jeder in sich trage. Und sie so offen im Werk zu sehen, können einem «schon einmal einen kalten Schauer über den Rücken jagen».

Jawohl, das ist nicht auszuschliessen. Denn Marc Roy, Jahrgang 1965, wohnhaft in Hallau und dort auch malend, mag durchaus ein gefälliger Mensch und Zeitgenosse sein, aber ein gefälliger Maler ist er nicht. Dieses Werk, zumindest der jetzt in der Galerie Mera ausgestellte Teil, erweist sich als sperrig. Keine Spur einer Anbiederung an Lieblich-Dekoratives, an Lau-Schönes oder Pseudokünstlerisch-Eingängiges. Dieses Werk kommt mit einer gebündelten Wucht, einer kompromisslosen Geste daher, die tatsächlich und in Anlehnung an Rabaras «Schauer» erst einmal zu grusligen Assoziationen verführen könnte. Höllenlandschaften. Seelenrisse. Die Welt nach dem Einschlag des Asteroiden von Tunguska. Man kann da vieles sehen, und wie immer beeinflusst die Befindlichkeit des Betrachters auch dessen Interpretation.

Halten wir uns deshalb zuerst an das Objektiv-Technische. Marc Roy benutzt für seine Manifestationen von Hell und Dunkel (mit klaremn Übergewicht des Dunklen in diesem Fall) eine gewagte Kombination von Tusche und Ölfarbe. Das zum Beispiel führt unweigerlich zum Gegensatz von äusserst filigranen und herausfordernd flächigen Elementen. Dieser Gegensatz, wie jener von Hell und Dunkel, ist natürlich künstleri-sche Absicht. Man kann auch sagen, dass hier einer die Differenz seziert, mit verblüffenden Resultaten. Roy vermag es, komplexe Strukturen sichtbar zu machen: eine Kaskade von Rissen, Spalten und Abgründen, welche die Leinwand (die Landschaft) überziehen und eine scheinbar massive Beständigkeit massiv erschüttern. Ja, man kann darin eine seelische Zerrissenheit erkennen und die künstlerische Interpretation der dem Menschen innewohnendem Widersprüche. Und die Offenbarung solcher Gegensätze liegt durchaus in der Absicht des Künstlers.

Indes geht Roy eben auch weiter, und dieser andere Schritt ist womöglich der wirklich verblüffende: So widersprüchlich, gegensätzlich und vermeintlich unvereinbar diese Werke «angelegt» sind – letztlich finden sie zu einer überzeugenden und überaus ausdrucksstarken Einheit. Das Kleine, das Grosse, das Feine, das Grobe, zerstörendes Schwarz und er-weckendes Gelb – am Ende findet es sich wie in einem natürlichen Prozess zur Einheit zusammen. Dass das richtig verstanden wird: nicht zum liebreizenden Idyll, ganz und gar nicht, aber zur kraftvollen, herausfordernden und eindrücklichen Impression. In seinen Bildern in der Galerie Mera erweist sich Marc Roy jedenfalls als Meister faszinierender und wie auch immer gearteter Landschaften und als Beherrscher und Vereiner der Gegensätze.